Bevor ich mich aus diesem Land verabschiede, wollte ich euch noch einen Einblick geben in die Welt der argentinischen Musik.
Kann natürlich nur einen kleinen Überblick geben, über das, was ich hier so mitbekomme, aus Radio und Fernsehen und dem, was die Leute so hören….

Alsoooo…
TANGO kennt ihr alle. Aber wers nochmal hören will, dem sei Astor Piazzolla ans Herz gelegt:
http://de.youtube.com/watch?v=RUAPf_ccobc
Natürlich muss ich jetzt hier auch Carlos Gardel mindestens einmal beim Namen nennen.

Leider wird Argentinien von den meisten nur auf Tango reduziert, dabei gibt es hier noch eine ganze Menge mehr.
Fangen wir mit meinen “Lieblingen” an.

CUMBIA VILLERA
Wohl das Schlimmste, was je als Musik bezeichnet wurde :) Man muss es einfach mal gehört und gesehen haben. Das dröhnt hier meist aus aufgedrehten Autoradios oder irgendwelchen furchtbaren Discos. Und ist eine ganze Szene für sich. Höchst empfehlenswert sind die “Altos Cumbieros” sowie “Pibes Chorros” oder “Damas Gratis”:
http://de.youtube.com/watch?v=BZqxy6hI8l8&feature=related

ROCK
Okaaaay, Gott sei Dank gibt es hier auch noch was relativ normales. Die Rock Szene ist relativ groß und eigentlich das, was jeder junge Argentinier hört.
Dazu gehören dann Bands wie “Soda Stereo”, “Los Fabulosos Cadillacs”, “Attaque 77″ oder “Los Piojos” (neben einer Menge weiterer). Und Legenden wie “Charly García”.
http://de.youtube.com/watch?v=3vSPomHlZJI
http://de.youtube.com/watch?v=_FgPPNqQ0kM

POP
Erinnert mich ein wenig an die Spice Girls auf Spanisch, wobei die Spiace Girls dagegen wirklich gut sind ;). “Bandana” ist glaub unübertroffen in ihrem Erfolg.
http://de.youtube.com/watch?v=ojk5uPuIa7g
Ansonsten: “Miranda”
http://de.youtube.com/watch?v=eQPdtb1_ivk&feature=related

HIPHOP
Vertreten durch die “Sindicato Argentino del Hip Hop”.
http://de.youtube.com/watch?v=QPCeY0Ll2NQ

FOLKLORE
Auch sehr verbreitet, kommt hauptsächlich aus den nördlichen Regionen Salta und Jujuy, die an Bolivien grenzen. Feste, wo Folklore getanzt wird, nennen sich peña und es gehen tatsächlich Leute aus allen Altersschichten hin (hätte ich nicht gedacht). Ich war mal da und es war ganz lustig, aber umgehauen hat mich die Musik nicht ;)
http://de.youtube.com/watch?v=bEN9_RR7RRs&feature=related

ELECTRONIC
Interessant sind meiner Meinung nach die Bands, die Electro mit Tango verbinden. Sowas nennt sich dann Tango Moderno oder Tango Nuevo, was wiederum auch sehr variiert in dem was es dann am Ende ist.
Eine relativ bekannte Band sind die “Bajofondo Tango Club”.
http://de.youtube.com/watch?v=dxdUZuSH-VU&feature=related

So. Damit mal einen kleinen Überblick über aktuelle Trends.Ehrlich gesagt hat mich hier nichts wirklich überzeugt. Die beste Band, die ich hier gesehen habe, kommt aus Uruguay und heißt “La Vela Puerca” und ist wirklich (also im Ernst jetzt) sehr zu empfehlen :)
http://de.youtube.com/watch?v=i1kuBidSaFc&feature=related
http://de.youtube.com/watch?v=ZKLLeA-TUZo&feature=related
http://de.youtube.com/watch?v=ZBPGT3DZUK8&feature=related

Hoffe, ihr hattet viel Spaß :-)

9.11.2008

Endspurt

Huch!!
Mein letzter Eintrag ist ja von meinem Geburtstag. Das ist ja schon wieder soooo lange her. Na da muss ich wohl doch nochmal wieder ein wenig updaten :)

Aaalso. Das wichtigste: Mir gehts gut.
Wir haben Frühling, Buenos Aires grünt und blüht, die Sonne scheint, es ist warm bis heiß, die Menschen wachen auf aus ihrem Winterschlaf, die Straßen und Cafés sind voller Leute, es geht mal wieder darum, zu sehen und gesehen zu werden, also putzt man sich auch fein raus. Das ganze zieht sich durch den Tag und durch die Nacht, morgens um 2 sind die Tische vor den Eisdielen und Restaurants noch überfüllt bei angenehmen 26 Grad draußen, da machen sich die Leute langsam auf den Weg um in die Kultur der Stadt abzutauchen. Bars aller Arten, Theater, Open-Air-Konzerte in Parks oder auf den zahlreichen Plätzen, es gibt einfach alles was das Herz begehrt und noch viel mehr. Es liegen Welten zwischen Buenos Aires im Winter und Buenos Aires im Sommer, das Kulturangebot versiegt zwar nie, aber im Sommer findet das Leben auf den Straßen statt während es sich im Winter eher hinter dicke Mauern verzieht.

Nachdem ich mich im August und September eher hinter meinen Büchern verkrochen habe (ich habe übrigens alle meine Klausuren bestanden - yeah!!), fällt es mir nun etwas schwer, dies erneut zu tun. Fabi war gerade eine Woche aus Sao Paulo zu Besuch (Fotos gibt es am Ende meines letzten Albums) und jetzt muss ich unbedingt wieder ganz viel lernen, in 2 Wochen ist schon die nächste Klausur, aber dann ist das Semester auch schon wieder vorbei - und mit dem Semester auch mein Aufenthalt in Buenos Aires.

Uaaaaaah.

Sind echt schon 9 Monate rum? Kann ich kaum glauben. Aber andererseits war dieses Jahr so unglaublich intensiv, dass es mir beinahe wie noch länger vorkommt.
Und wieder einmal wird mir meine Hass-Liebe zu dieser Stadt bewusst.

Einerseits habe ich genug, von dem Chaos (nichts funktioniert, wie man es sich vorstellt, Verkehr und Abgase, Zementdschungel), von der Mentalität (dem Macho-Gehabe und der Oberflächlichkeit), von den Problemen der Gesellschaft, die korrupte Politiker nicht lösen. Politik scheint hier recht willkürlich zu laufen, das Recht ist seeehr dehnbar und bei ergriffenen neuen Maßnahmen wird häufig nicht über Langzeitfolgen nachgedacht. Da kann ich nur immer wieder staunen, den Kopf schütteln, erneut feststellen, dass es uns in Deutschland unglaublich gut geht, mich aufregen, wie man so einen Mist machen kann wie die Politiker hier, wo sie doch jeden Tag die Ergebnisse aufs Neue sehen.

Andererseits teilt sich mein Herz in zwei Stücke bei dem Gedanken daran, was ich hier zurücklasse. Neun Monate, die geprägt waren von den intensivsten Gefühlen, Freude und Glück aber auch Trauer und Depression, man wird von dieser Stadt ständig von einem Extrem ins Andere gestoßen, völlig unvorbereitet trifft es einen, Kleinigkeiten, die einem vorkommen wie die ganze Welt und man weiß nie, was als nächstes kommt.
Ich habe Stunden mit wundervollen Menschen verbracht und Stunden der Einsamkeit, wenn ich glaube, an der Mentalität der Menschen zu verzweifeln und einfach nicht weiß, was sie eigentlich von mir wollen.

Und dieses Gefühl der Freiheit, einfach alles machen zu können, was mir einfällt. Und was habe ich dieses Jahr nicht alles neues ausprobiert und gelernt?
Fotografiestudium, Gitarrenstunden, im Chor gesungen, Arabischstunden genommen, Salsa getanzt, Tango gelebt, Capoeira angefangen, mit dem Fahrrad durch die verstopften Avenidas gebraust, Spanisch mit Porteño-Akzent gelernt, mir die Haare dunkel gefärbt, durchs Land gereist und die atembraubende Vielfalt der Natur bestaunt, Samstags Abends vor einer nicht enden wollenden Liste mit Kulturangebot verzweifeln, Bücher über ganz neue Themen gelesen, Kochen gelernt, in einer der schäbigsten und der luxuriösesten Gegend der Stadt gelebt, an einer chaotischen Massenuni auf Spanisch in einem Kurs weit über meinem Niveau studiert und durchgekommen, Lebensmittelvergiftung überstanden, Auto gefahren, und und und …
Ja, ich werde Buenos Aires vermissen. So sehr ich auch oft einfach nur noch hier weg will, diese Stadt hat eine Magie, die einen einfängt und nicht mehr loslässt. Und ich glaube, ich komme irgendwann nochmal zurück.

Trotzdem freue ich mich auf den Dezember. Jetzt heißt es, Endspurt einlegen, Uni abschließen und in 3 Wochen ab nach Brasilien. Ich habe beschlossen, meine komplette Reisezeit dort zu verbringen und möglichst lange möglichst viel von dem Land mitzunehmen. Ich hatte erst überlegt, noch durch den Rest von Argentinien zu reisen, aber eigentlich habe ich Lust auf eine neue Mentalität, auf Traumstrände und Regenwald, wandern in Nationalparks und Sambakultur in den Städten, auf anderes Essen und auf eine neue Sprache. Vielleicht finde ich ja auch irgendwo ein Voluntärsprojekt für einen Monat, im Januar ist außerdem World Social Forum in Belem, ich will Kitesurfen in Recife und Capoeira lernen in Salvador, Karneval feiern in Rio und mit dem Boot den Amazonas herunterfahren und Krokodile jagen :) Da ist die Entscheidung schnell gefallen und der Abschied von Buenos Aires gar nicht mehr so schwer.
Und bevor ich dann im Februar oder März wieder nach Deutschland fliege, komme ich ja nochmal zurück nach Buenos Aires.

Ja. Das ist meine Perspektive zur Zeit. Und wie geht es euch? :)

26.10.2008

Cordoba

Liebe Leute,
ich bin schreibfaul, daher nur ein kurzer Hinweis auf die neuen Fotos, Teil 2 von Buenos Aires und einen Kurztrip nach Cordoba Anfang Oktober, nachdem die Klausuren endlich vorbei waren :)

Zu betrachten hier: Cordoba

Liebe Grüße aus dem begonnen Frühling :-)

22.09.2008

Geburtstagsfoto

cumpleanos.jpg Nur schnell noch ein Foto von meiner gemütlichen Geburtstagsfeier :) 

Das ist die spanische Version von Happy Birthday.
Denn gestern bin ich zum zweiten Mal in meinem Leben volljährig geworden.
Nachdem ich das in Deutschland mit 18 schon hinter mich gebracht habe, durfte ich dieses großartige Gefühl gestern in Argentinien mit 21 noch einmal erleben. Vielen Dank an dieser Stelle allen, die an mich gedacht haben :-)
Das besondere daran war, dass dies mein erster Geburtstag im Frühling war. Hier in Buenos Aires feiert man den Frühlingsanfang (normalerweise haben Schüler frei und betrinken sich so wie bei uns am 1. Mai) und man hat zwar wettertechnisch nicht sooo viel davon bemerkt, aber es hat doch gereicht, dass wir uns alle bei Ruben raus auf die Terrasse setzen konnten (wir waren etwa 12 Leute aus Argentinien, Deutschland und Kolumbien) und wir auf typisch deutsch mit Kaffee und Kuchen meinen Geburtstag feiern konnten. Habe dazu den ganzen Samstag in der Küche verbracht (habe ich schon erwähnt, dass ich hier zur Kuchenspezialistin geworden bin? :)), habe Russischen Zupfkuchen, Zimtschnecken und Apfel-Streusel-Kuchen gebacken. Kennen die hier alles nicht und wurde begeistert probiert und verputzt.

Erinnert ihr euch noch an den Beitrag über die Hackordnung im Verkehrssystem von Buenos Aires?
Muss das nochmal ein wenig ergänzen.
Die Polizei ist in Argentinien der Meinung, völlig unterbezahlt zu sein und daher weitestgehend korrupt. Das sieht in der Realität dann so aus, dass jemand, der z.b. falsch geparkt und einen Strafzettel dafür bekommen hat, den Polizisten fragt, ob man das nicht irgendwie anders regeln könne. Daraufhin schiebt der ihm einen Zettel zu, wo der Falschparker unauffällig etwa 50 Pesos (oder mehr) reinfaltet und diesen dem Polizisten zuschiebt. Das ist keine Ausnahme, sondern die Art, wie so etwas hier geregelt wird (hat mir mein Professor erklärt). Durch Knöllchen nimmt der Staat hier also definitiv kein Geld ein.
Und trotz dieses Chaos’ habe ich mich hinters Steuer getraut und bin (vor ein paar Wochen schon) mit der gleichen Gruppe wie an Ostern noch einmal nach Mar del Plata gefahren. “Autobahn” fahren ist hier natürlich was ganz anderes als bei uns und das merkt man besonders, wenn man hinterm Steuer sitzt. Mit drei hochnervösen Argentiniern im Auto, die mich völlig verrückt gemacht haben (trotzdem fahren ließen - als Frau muss man nur mit den Augen klimpern und lieb bitte bitte sagen und schon können sie nicht mehr nein sagen ;)) habe ich mich also nachts in den Feiertagsverkehr eingereiht. Es ging auch alles gut soweit (habe erst hinterher erfahren, dass der Tank ein Loch hatte und bei zu großen Schwankungen das Benzin darausgelaufen ist), die Männer haben sich auch nach einer Zeit beruhigt und ich durfte mich darüber wundern, dass die Autobahnspuren (Tempolimit 120 - wird mit ca. 140 weitestgehend eingehalten, schneller fahren ist auch kaum möglich bei den Kurven - und den Autos!!) z.B. durch große Wassergräben voneinander getrennt wurden (ohne Auffangzäune oder dergleichen - na das hält immerhin das Auto davon ab, in die Gegenfahrban zu rasen oder bei Crash in Flammen aufzugehen…), immer mal wieder das Tempolimit auf 60 gedrosselt wurde, wenn man an einer Ortschaft vorbeifuhr, wo die Autobahn mittendurch lief (ohne Absperrung) und die Leute irgendwie versuchen mussten, über die Straße zu kommen, wenn grade mal nicht so viele Autos kamen (gab sogar eine Schule direkt an der Autobahn mit vielen Vorsichtschildern für die Fahrer).
Ans rechts und links überholen sowie der wahllosen Auswahl, auf welcher Fahrspur man bei jeglicher Geschwindigkeit fahren möchte, gewöhnt man sich auch schnell.
In Mar del Plata selbst habe ich enge Bekanntschaft mit einigen Huppeln gemacht (bei uns werden die ja wenigstens mit 10 Schildern und gelben Streifen auf der Straße angekündigt, aber hier gibt es noch nichtmals überall Fahrspuren und die Huppel erscheinen einfach so aus dem Nichts und haben dazu auch eher Winkel wie sehr hohe Bordsteine), was die Männer wieder an meinem Fahrvermögen zweifeln ließ. Nachdem ich aber herausgefunden hab, dass die hier den Führerschein schon bekommen, wenn sie ein Auto starten und vorwärtsbewgen können (mir wurde aber versichert, dass die Straßenverkehrsregeln ausführlich erklärt wurden, man musste sich das immerhin eine ganze Stunde lang anhören!!) und darüber gestaunt wurde, dass ein Führerschein bei uns an die 1000 Euro kostet und mit vielen Theorie und Praxisstunden verbunden ist und ich im rückwärts einparken alle drei geschlagen hab :-) durfte ich dann doch weiterfahren.
Ich muss aber fairerweise erwähnen, dass ich, kaum waren wir wieder in Buenos Aires, nach 5 Minuten mit Zittern und Schweißausbrüchen doch aufgegeben habe. Ist doch nochmal was ganz anderes. Die Taxis und Busse fahren hier millimetergenau und lassen dementsprechend weing Platz (das hab ich ja schon auf dem Fahrrad gemerkt, das ich übrigens verkauft hab, da ich in meiner Wohnung keinen Platz dafür hab. Würde ich es draußen anschließen, wäre es nach spätestens 3 Tagen weg). Dazu quetscht man in sich in jede Lücke und die Streifen auf der Straße existieren nur zur Dekorierung. Wenn du dann an der Ampel stehst und wartest, dass es grün wird, aber von allen Seiten schon Taxis an dir vorbeigeschossen kommen, die auf der Ampel der kreuzenden Straße schon erkannt haben, dass deren Ampel gerade rot unsere gleich grün wird und der Bus hinter dir schon genervt in die Hupe haut (ich bin ja immernoch der Meinung, die Busfahrer werden nach Strecke bezahlt, wie kann man es nur SO eilig haben), dann setzt einem Deutschen Autofahrer das doch ganz schön zu. Habe sofort aufgegeben.

In zwei Wochen habe ich Prüfungen. Oh Gott. Wie soll ich das jemals schaffen?? Bis zum Freitag vorher bekomm ich den ganzen Stoff erklärt, um ihn am Montag abgefragt zu bekommen. Darf mir momentan Geldtheoriemodelle und Etappen und Modelle der Entwicklungspolitik einprägen, aber versuch das erstmal auf Spanisch. Ohne Folien oder Stichpunkten zum kaufen. Ich habe wirklich Respekt bekommen vor den Studenten an der UBA. Die können so schnell schreiben. Und dabei auch noch mitdenken. Ganz ehrlich, Bayreuth ist so lächerlich einfach. Wenn ich da an unsere Logikvorlesung denke, wo man ALLES aus den Folien im Internet bekommt, was man braucht. Oder an jegliche Wirtschaftsvorlesung, wo wir Bücher (!) lesen, wo jemand die ganzen Modelle zusammenfasst und erklärt - mehr oder weniger gut (warum müssen sich Ökonomen in ihren Original-Papers eigentlich so unglaublich kompliziert ausdrücken?). Oder Tutorien haben, wo einem Klausuraufgaben vorgerechnet werden.
Ich habe hier genau zwei Chancen, den Stoff zu verstehen. Etwa 70-80 Prozent nehme ich in den Vorlesungen mit, die restlichen 20 versuche ich dann aus den Texten herauszufiltern. Leider musste ich auch feststellen, dass meine Mathematikbasiskenntnisse auch ein wenig zu wünschen übrig lassen. Alles wird vorausgesetzt. Klar, die haben im Grundstudium (im ersten Jahr) auch vier verschiedene Fächer mit Mathematik. Nicht so ein wenig Mathe für Ökonomen wie bei Priska in Bayreuth ;) Gott sei Dank habe ich ein paar nette Argentinier in meinen Kursen, die mir immer geduldig alle Abkürzungen an der Tafel erklären oder Diskussionen zusammenfassen oder ihre Stichpunkte kopieren lassen.
Das ist aber auch die einzige Überlebenschance für einen Austauschstudenten in der UBA.
(Alle, die sich überlegen, hier ein Austauschsemester zu verbringen: Ich rate euch: LERNT FLIEßEND SPANISCH und sammelt euch so viel Basiswissen wie möglich!! Oder lasst euch wie ich von euren Eltern Bücher auf deutsch einscannen und zumailen ;-)).
Das Gute ist, dass ich endlich sehe, wie alle trockenen Wirtschaftsfächer, durch die ich mich in Bayreuth gequält hab, auf einmal in Zusammenhang gebracht werden und interessant werden. Herrje, ich wünschte ich hätte Makro 2 und Statistik 2 noch irgendwie mitgenommen, bevor ich hierhingekommen bin. Und nicht alles aus Mikro 1 wieder vergessen. Und sowieso. Was war nochmal Varianz? Gott sei Dank kann ich mein Unverständnis immer darauf schieben, so zu tun, als würde das auf Deutsch ganz anders heißen (glauben die mir sofort) und ich kenne nur den Begriff nicht (Varianz - auf span. varianza, hehe) und lasse mir das nochmal erklären um dann am Ende so zu tun, als würde ich mich natürlich erinnern :-)
Na, wir werden ja mal sehen, ob ich irgedeine Chance habe, hier einen Schein mit nach Hause zu bringen.
Aber abgesehen davon muss ich sagen, gefällt es mir super in der Uni. Das Niveau ist sehr hoch und ich hatte Glück mit den Professoren, denn sie machen ihre Sache gut und interessant und ich habe das Gefühl, so viel zu lernen wie noch nie. Und meine Kommilitonen sind supernett.

Und es geht mir also sehr gut im großen und ganzen. Meine Vermieterin Flor und ich halten derweil Auswahlgespräche für einen weiteren Mitbewohner in unserer Wohnung und allen Unifrust kann ich mir 3 mal die Woche beim Kickboxen von der Seele prügeln (wobei ich eher die bin, die dort verprügelt wird). Dazu will Flor mich mit ihrem Neffen verkuppeln (ist schon 30, aber einer der schönsten Argentinier, die ich je gesehen habe, daher hab ich da überhaupt nichts gegen einzuwenden - und ich geh mit 21 ja jetzt auch schon auf die 30 zu :o)).
Ich kann mich also nicht beklagen. Und jetzt muss ich aber wirklich wieder lernen, mindestens 2 Stunden will ich heute schaffen, auch wenn das viiiiiel zu wenig ist.
Einen lieben Gruß, beso y abrazo a todos!!

4.09.2008

Uni, die zweite

Nachdem es immer noch Leute gibt, die denken, ich sei schon längst wieder in Deutschland, hier mal ein offizielles Statement:
Ich bin NICHT in Deutschland.
Ich hab meinen Flug in letzter Sekunde umgebucht (das war wirklich knapp, 6 Stunden vor theoretischem Abflug mit dem Taxi durch die Stadt auf der Suche nach dieser unglaublich versteckten Lufthansa Zentrale. Zum Glück ging alles gut und es hat mich sogar nur 50 Dollar gekostet ☺).
Mein neues Rückflugdatum ist auf den 29. März 2009 angesetzt, wobei ich das noch ändern kann, wenn ich genau weiß, wann ich denn zurück will.Tja, neben der Feststellung, ich sei verrückt, haben mich auch viele gefragt, wieso ich denn nun schon wieder meine Meinung geändert hab.
Gute Frage. Ich habs einfach nicht fertig gebracht, hier so ohne weiteres abzureisen. In der Abschiedswoche haben sich noch mal so viele Perspektiven eröffnet und die Stadt hat einfach noch mal ihre beste Seite gezeigt, sodass ich Mittwochs morgens todtraurig aufgewacht bin und gedacht hab, das kann heute einfach nicht mein letzter Tag in Buenos Aires sein…
Und so bin ich also geblieben.

Das ganze hat natürlich dann gewisse Komplikationen nach sich gezogen, nämlich war ich von da an obdachlos, da mein Zimmer schon weitervermietet wurde.Hab dann erst ein paar Tage auf dem Sofa geschlafen und bin dann noch mal für 2 Wochen zu Ruben gezogen.
Seit letztem Sonntag hab ich nun aber auch wieder eine eigene Bleibe und diesmal habe ich auf ein paar Dinge geachtet: Ich wohne nun in einer wuuuuunderschönen Wohnung in einem 7. Stock, habe ein süßes, helles Zimmer mit eigenem Balkon und viel Licht in einer der besten Gegenden der Stadt (Belgrano Barrancas). Im Gegensatz zu vorher hab ich mir auch keine WG gesucht, sondern ich wohne nun so gut wie alleine, meine „Mitbewohnerin“ ist die Vermieterin, eine super nette Frau, die ich allerdings nur Mittags kurz zu Gesicht bekommt und die tatsächlich jeden Morgen die Wohnung und mein Zimmer putzt und aufräumt. Absoluter Luxus!!! Die Gegend ist eine der teuersten, und zu dem Viertel, wo ich vorher gewohnt hab ist es ein unglaublich krasser Unterschied.
Hier ist alles voller Hochhäuser (mit Portiers, die unten sitzen und schön aufpassen, wer ein und ausgeht), schöner Plätze und Parks und Cafés und kleinen Boutiquen an jeder Ecke, ach und ich wohne nun 2 Blöcke von der besten Eisdiele der Stadt entfernt, alles ist in einem sehr guten Zustand und im Supermarkt um die Ecke hab ich noch nichts entdeckt, das über dem Verfallsdatum wär … Im Gegenteil, der Standard dort ist fast besser als unser Edeka in Bayreuth ;-)
Dazu wohne ich nun unmittelbar neben China Town, etwa 3 Blöcke von hier kann man wirklich in eine andere Welt eintauchen. War gestern mal dort im Supermarkt (China Town ist hier berühmt für wirklich frischen Fisch und frisches Gemüse) und habe die unglaublichsten Sachen entdeckt, wo ich mir z.T. nicht so sicher war, ob man das denn nun essen können soll …

Abgesehen davon hat seit 2 Wochen auch die Uni begonnen. Ich bin nun immer noch in der UBA aber in der Fakultät für Wirtschaft und belege zwei Fächer: Geld und Kredit und wirtschaftliche Entwicklung (übrigens echt spannend, das aus der Perspektive eines Entwicklungslandes zu lernen). Beide sind ganz schön anspruchsvoll und vor allem ist eins 6- das andere 4-stündig pro Woche. Ich muss nun im Schnitt jeden Tag zwischen 2-3 Stunden lernen und komme so gerade hinterher (in einem Monat hab ich die ersten von jeweils drei Klausuren).
Die Uni ist auch im Gegensatz zu der Fakultät für Philosophie auch um einiges hübscher, neuer und organisierter. Und liegt viel zentraler.
Und so hab ich aber nun endlich wieder einen geregelten Tag, bin jeden Morgen in der Uni, habe die Nachmittage zum lernen und dann frei, dazu habe ich auch ein Fitnessstudio mit Kickboxen in der Nähe entdeckt, wo ich nun 2-3 Mal die Woche hingehen kann. Ach und Tango tanzen war ich nun auch endich mal. So schön :-) Da werd ich auf jeden Fall nochmal weitermachen …

Insgesamt bin ich total froh, hier geblieben zu sein, alles entwickelt sich zum Guten, ich lerne auch immer noch laufend neue, nette Leute kennen, außerdem neigt sich der Winter merklich dem Ende zu. Es regnet ja sowieso schon sehr selten hier, aber in letzter Zeit scheint täglich die Sonne, es waren letzte Woche schon 27 Grad, gerade ist es zwar wieder merklich kühler, aber die Tendenz ist ja zu erkennen ☺ Und Buenos Aires ist mit Sonne und warmem Wetter soooo hübsch!!
Naja, soviel erstmal wieder aus Argentinien. Einen lieben Gruß um die Welt ☺

So. Entscheidung ist gefällt. Rückflug gebucht. Am Donnerstag steh ich wieder auf deutschem Boden.

Überrascht?

Erstens wollte ich endlich eine Entscheidung treffen.
Und zweitens hab ich mir gedacht, dass viele nette Leute um mich herum es auch nicht wett machen, dass ich jetzt nach einem halben Jahr das Leben genießen und alles zu machen außer zu studieren, gerne mal wieder ein wenig weiter kommen würde. Wäre zwar sicher nett noch ein Semester hier, aber gerade will ich glaube ich was anderes.

Daher werde ich im Wintersemester wieder die - ziemlich geschwächte - 2006er-Jahrgangsfraktion in Bayreuth stärken. Das bedeutet natürlich nicht, dass das Kapitel Argentinien jetzt abgeschlossen wäre ;-) Ich denke schon, dass ich nochmal zurück komme, aber nicht jetzt und wenn, dann mit einem etwas konkreteren Projekt, wie z.B. einem interessanten Job oder Praktikum. Aber diese Stadt hat eben trotz allen Problemen und dem ganzen Chaos einfach eine gewisse Magie und einen gewissen Reiz und wenn man sich dem einmal ausgesetzt hat, ist es schwer, dem nicht zu verfallen ;o)

So. Aber nun erst noch ein Aufruf an alle, die Bayreuth verlassen: Ich brauch noch ein Zimmer zur Zwischenmiete. Wenn ihr also eure Zimmer noch nicht losgeworden seid und in einer schönen WG mit zwei bis drei netten Mitbewohnern lebt und die Miete unter 250 Euro liegt, dann schreibt mir doch bitte :-)
Ich freu mich auf jeden Fall auf Deutschland, wenn auch mein Abschiedsmarathon jetzt schon sooooo traurig ist …. besonders in den letzten Tagen sieht man sowieso nur noch alle guten Seiten und davon gibts durchaus einige. Aber die gibts woanders ja auch :-)

Ach ja, Ägypten hab ich natürlich auch nicht aus meinen Gedanken verbannt, aber da ist glaube ich ein anderer Zeitpunkt auch angebrachter…

Jetzt heißts also erstmal: Zeit genießen und alles machen, was bisher noch nicht zustande kam!!

5.08.2008

Puerto Madryn

Sorry, dass ich so unglaublich schreibfaul geworden bin die letzte Zeit.
Hier eine Kurzzusammenfassung:
Mein Papa war im Juli zu Besuch und wir sind eine Woche runter in den Süden an die Küste gefahren und haben uns das Naturschutzgebiet Peninsula Valdes angeschaut. Dort Wale beobachtet und die raue Küste genossen.War wirklich sehr schön.Fotos gibt es natürlich auch undzwar hier:

- Fotos gibt’s hier -

Und sonst passiert ehrlich gesagt nicht so viel, außer dass ich tatsächlich mein Visum hintereinander hab, sowie meine Anmeldung an der Uni, Johannes vor 2 Wochen angekommen ist und die deutsche Fraktion hier nun endlich ein wenig gestärkt ist :) ich überlege, nochmal umzuziehen (und entsprechend verbringe ich meine Zeit mit Wohnungssuche) oder vielleicht direkt schon wieder nach Hause zu fahren und im Wintersemester wieder in Bayreuth zu stehen, genauso gab es aber auch die Idee, nach Ägypten zu gehen für ein Praktikum, oder vielleicht mach ich auch was komplett anderes? Es steht alles noch im Dunkeln und ich ändere jeden Tag meine Meinung, daher auch so lange kein Bericht, da es sein könnte, dass ich ihn am nächsten Tag wieder umändern müsste ;-) Aber sollte sich was ergeben, dann sag ich schon noch Bescheid!! Und vielleicht bleib ich auch einfach hier ….
Übrigens wenn irgendjemand von euch einen Blog hat während seiner Auslandszeit, hätte ich auch gern die Adresse (könnt ihr mir ja in einem Kommentar schreiben).
Einen lieben Gruß nach Deutschland bzw. in die weite Welt :-)

27.06.2008

Fotos!!!

Es gibt endlich mal wieder ein neues Fotoalbum, diesmal mit ein paar Bildern querbeet von meinem Leben in Buenos Aires. Ist nicht wirklich sehr umfassend, aber ich habe festgestellt, dass die meisten meiner Fotos wohl eher uninteressant sind, da in ihnen nur Techniken geübt werden. Werde versuchen, das nun mal ein wenig zu ändern :)
Bis dahin - viel Spaß hiermit!!

- Fotos hier -

14.06.2008

Winter

Mir ist kalt!! 
Der Winter hat angefangen in Buenos Aires. Das bedeutet, neben schönem Sonnenschein und frühlingsähnlichen Tagen gibt es immer mal wieder so 4-5 Tage, in denen es um die 3 Grad kalt ist. Keine trockene Kälte wie bei uns, sondern eine gewisse Luftfeuchtigkeit bleibt bestehen, sodass die Kälte schön unter die Kleidung bis in die Knochen kriecht… Ich habe eine kleine elektrische Standheizung in meinem Zimmer, in dem es von allen Ecke zieht und das 4,5 m hohe Decken hat, die Heizung läuft ununterbrochen (Gott sei Dank muss ich die Stromrechnung nicht zahlen hier) aber von der Wärme kommt kaum etwas bei mir an.  
Ich sitze also eher dick eingepackt mit meinen neuen Schaffellpantoffeln hier und verfluche unsere Wasserpumpe, die so schwach ist, dass wir meistens im nicht-beheizten Badezimmer kein warmes Wasser zum Duschen haben. Und ich bin natürlich auch dauererkältet.

Aber abgesehen von diesem bemitleidenswerten Zustand ;) gehts mir doch ganz gut.
Habe mich gut eingelebt in meinem neuen Zuhause, das eher wie ein große Kommune ist, da wir im Prinzip zu 9. in diesem großen Haus leben, in der unteren Etage leben auch nochmal 4 Argentinier, Freunde von meinen Mitbewohnern, und im Patio dort gibts Sonntags gemütliches Asado und es wird einfach den ganzen Tag gegrillt und gegessen und Wein getrunken :)
Mein Gitarrenunterricht macht mir unglaublich viel Spaß, ich habe angefangen in einem kleinen Acapella-Chor zu singen und wir haben im September unsere erste Konzertreise in den Norden Argentiniens.
Am Dienstag hab ich meine erste Stunde Arabischunterricht (ich vermisse es einfach zu sehr, mir den Kopf über Grammatik zu zerbrechen) und so langsam beginne ich auch, mir mein nächstes Semester in der Wirtschaftsfakultät zu organisieren, das im August beginnt. Jaa…. ein halbes Jahr Urlaub ist wirklich fein, aber ich freu mich auch, bald wieder zu studieren.

Gestern habe ich mal wieder eine alte Erkenntnis über Argentinier neu bestätigt bekommen.
Habe ich schonmal erwähnt, dass Argentinier immer von sich behaupten, sie seien so lebhaft, sind es aber in Wirklichkeit überhaupt nicht?
Ich war gestern auf einem Konzert von drei Bands, in einer spielten ein paar Bekannte von hier, Richtung Ska/Reggae, wirklich gar nicht schlecht, in einem süßen alten Theater, gut gefüllt. Habe meine Kamera nicht mitgenommen, weil ich Angst hatte, dass die vielleicht kaputt geht oder nur beim Tanzen stört …. man weiß ja nie, wenn ich da so an manche Glashausabende denke….Aber nein!! Die Leute saßen alle auf Stühlen an Tischen mit Bier oder einem Glas Wein und haben sich das einfach nur angeschaut. Ohne sich zu bewegen. Die Musik war dennoch zu laut, um sich zu unterhalten. So saß ich da, völlig platt davon, wie ca. 4 Stunden lang die meisten Leute mit verschränkten Armen und verschlossenen Gesichtern an ihren Tischen saßen. Und auf Nachfragen habe ich erfahren, dass das völlig normal ist, bzw. im Trend läge, auf solche Konzerte zu gehen, wo dann Tische und Stühle aufgestellt werden. Die Argentinier sind schon ein komisches Volk…

In 2 Wochen bekomm ich Besuch von meinem Papa (ihr dürft ihm gerne tolle Sachen für mich mitgeben :-)) und dann komm ich hoffentlich endlich mal wieder ein wenig raus aus dieser Stadt.
Im südlicheren Teil Argentiniens gibt es auf der Höhe von Puerto Maddryn eine schöne Halbinsel (Península Valdés), die berühmt ist für ihre Artenvielfalt und sogar auf der UNESCO Weltnaturerbeliste steht. Neben Pinguinen, Seelöwen und zig Vogelsorten hat seit ein paar Wochen auch die Walsaison begonnen. Vielleicht sehen wir ja auch welche, wenn wir ein paar Tage darunter fahren :)

es ist ein grauer mittwoch in diesem ungewöhnlich warmen “november”. ich sitze in meinem neuen zimmer und starre fasziniert auf diesen schwarzen kater mit dem weißen fleck auf der brust, der mir schon seit über einer stunde an den fersen klebt. ich hätte nie gedacht, dass katzen tatsächlich an aufmerksamkeitsdefizit leiden können. fühle mich beinahe belästigt und ständig beobachtet. kaum lasse ich die tür auf, steckt er seine nase hier rein, inspiziert jede ecke in meinem zimmer, öffnet mit seinen pfoten meine etwas lockere schranktür (!) und schlüpft hinein. beim kochen in der küche folgt er mir auf schritt und tritt und beim essen muss er unbedingt auch auf meinem schoß sitzen. er würde am liebsten auch mit ins bad kommen aber da ist dann wirklich genug und ich schmeiße ihn raus.

ja, ich bin umgezogen, am montag abend, und ich bin so froh drum.die letzten tage in meinem alten haus sind recht unschön verlaufen, da ich entdeckt habe, dass ich ein unglaublicher dickkopf sein kann und auf prinzipien poche und mich per telefon mit meiner vermieterin anschreie wegen 26 pesos (5 euros), die sie mir neben der miete für die letzten 4 tage noch für internet und telefon abziehen will, obwohl zur mietvereinbarung von vor 2 monaten neben der garantie, dass ich bis mitte august bleiben kann auch gesagt wurde, dass in den 900 pesos miete alles an nebenkosten mit drin ist.nun ist plötzlich die inflation so hoch und die instandhaltung des hauses so teuer, dass wir ständig nachzahlen müssen. meine vermieterin lässt auch für jeden mist leute kommen, um sachen zu reparieren, wie einen neuen türgriff an den schrank in der küche anbringen, und das müssen wir im endeffekt bezahlen.

aber was solls. der ganze stress ist nun vorbei und jetzt lebe ich in diesem wunderschönen haus und mir fallen so viele kleinigkeiten ein, auf die ich die letzte zeit verzichtet habe und die ich nun wieder genießen kann, dass ich mich wirklich freue, dass meine vermieterin mich so plötzlich vor die tür gesetzt hat.auf einmal habe ich wieder ein großes bett mit einer richtigen bettdecke (meine vermieterin hat mir zuletzt meine decke weggenommen, um sie in das zimmer zu tun, das sie neu vermieten will, weil das so schöner aussah und ich habe mich eine woche lang mit zwei staubigen wolldecken und einem teppich (!) zugedeckt) und ich habe wieder privatsphäre in meinem zimmer (mein altes zimmer war von dem meiner mitbewohnerin nur durch fenster mit vorhängen getrennt und man hat wirklich jedes geräusch von dort mitbekommen - ganz besonders schön, wenn ihr freund da war ;)) und es ist sauber (die putzfrau im alten haus hat ca. alle 3 wochen mal die küche gefegt und natürlich alle putzsachen versteckt, sodass wir mehr oder weniger im dreck gelebt haben) und die küche ist voll ausgestattet (die töpfe hier haben tatsächlich henkel!! und es gibt mehr als 5 teller und es gibt gläser!! oh mein gott, was für ein luxus!!).
und neben diesem ganzen luxus in dem ich nun lebe, habe ich wirklich sehr sehr nette mitbewohner, die unkompliziert zu sein scheinen und unsere mietabmachung auf vertrauen basieren, da ich freunde einladen darf, sogar über nacht (völlig tabu in meinem alten haus, die hätten ab 2 nächten da miete für zahlen müssen und ich hätte eine woche vorher bescheid geben müssen) und ich mich einfach nur wie zu hause fühlen kann und soll.

das viertel, in dem ich nun lebe, san cristóbal, ist eines der älteren, traditionelleren und touristisch wenig erschlossenen gebiete von buenos aires, von denen in den reiseführern wenn überhaupt gesagt wird, man solle sie lieber vermeiden, weil es gefährlich werden kann. aber natürlich weckt das meinen abenteuergeist und ich habe in meinen ersten erkundungsgängen zwischen den heruntergekommenen grauen gebäuden hier die süßesten lädchen und wunderschöne alte häuser und cafes entdeckt, die eine ganz neue seite von buenos aires offenbaren.
zur erklärung, die meisten touristen bewegen sich hier in den vierteln palermo oder recoleta oder eben im zentrum, reiche gegenden voller bars und restaurants und boutiquen, mit viel flair und vielen ausländern und modernen gebäuden. eine sehr trendige und auch durchaus attraktive gegend.und soo weit ab vom schuss lebe ich hier nun auch nicht, aber wenn man eben in die entgegengesetzte richtung von recoleta (richtung la boca z.b., da wo auch das gleichnamige fußballteam ihr stadion hat) läuft, merkt man eben doch einen unterschied. ihr glaubt gar nicht, wie froh ich dann gestern abend im bus war, nun dunkle haare zu haben. ich war eindeutig die einzige ausländerin weit und breit und endlich konnte ich mir einbilden, dass niemand das bemerkt (solange ich zumindest den mund nicht aufmache ;)). aber damit ihr euch jetzt keine sorgen macht, meine deutsche mitbewohnerin hat mir versichert, dass ihr in den anderhalb jahren hier noch nie was passiert ist und sie sich auch nie unsicher gefühlt hat und ganz ehrlich, ich fühl mich hier auch nicht unsicher, weil die ganzen einbrecher sich sowieso richtung recoleta oder palermo orientieren, weil es dort wenigstens was zu holen gibt….

naja und nun denke ich, dass ich für den rest des jahres hier wohnen bleiben werde. habe auch direkt busse gefunden, mit denen ich weiter zu meinem fotostudium und zum kickboxen gehen kann, fange nächsten mittwoch mit gitarrenunterricht an und hoffentlich auch bald mit meinem zauberkurs :)

also, so viel für heute und einen lieben gruß und überwindet doch mal eure schreibfaulheit und erzählt mir, wie das leben in deutschland ist!!

17.05.2008

blond is out

foto-35.jpg
So. Ab heute stehen die Worte Feli und blond in keiner Verbindung mehr zueinander. Hatte die Nase voll von dem Hype um blonde Haare hier. Hihi, ihr hättet die Gesichter der Leute beim Friseur sehen sollen, als sie gehört haben, dass ich wirklich von blond zu ganz dunkelbraun wechseln wollte.Habe mich aber gegen den vehementen Protest durchgesetzt und nun seh ich aus wie ein anderer Mensch und hoffe, dass das funktioniert mit dem Foto, das ich auf diese Seite hochladen werde (draufklicken!! :)). Und zu meinen neuen dunklen Haaren hab ich dann gestern auch direkt schon ein Zimmer gefunden in einem wuuunderschönen Haus, renovierter Altbau, ganz tolle nette WG mit einer Deutschen, zwei Argentiniern und einem Australier in relativ zentraler Lage. Bin ganz begeistert und werde in zwei oder drei Tagen umziehen. Bin gespannt, wie das wohl wird!!
Einen lieben Gruß nach Deutschland!! 

16.05.2008

zwischenstand

so viel zeit ist schon wieder vergangen und in der zwischenzeit habe ich folgendes erlebt:
- entdeckt, dass ich wirklich gerne koche und kurz darauf meine erste lebensmittelvergiftung und das zweite mal im leben antibiotika bekommen (ich weiß, was ihr denkt, ABER als neuer logik-pro unter uns sage ich euch: argumentationsfehler “post hoc ergo propter hoc”!! keine verbindung zwischen beiden ereignissen!!)
- angemeldet (aber noch nicht angefangen, weil auf warteliste) bei der schule für magie und zauberei (ich werd noch feli potter!!)
- die stadt zur rush-hour zeit mit meinem coolen blauen fahrrad (dessen bremsen eher mäßig funktionieren) zu erkunden. mittlerweile traue ich mich sogar auf die großen avenidas!!
- erste und letzte erfahrung gewisse pflanzen durch die lunge zu konsumieren mit der erkenntnis, dass ich selten sensibel darauf reagiere und lieber die finger davon lassen sollte
- der versuch mich durch die antiken systeme meiner unibib zu wühlen. unglaublich. die haben tatsächlich jedes buch am eingang in einer wand aus schubladen auf vergilbten, zerfledderten karteikarten erfasst und man muss sich das vor betreten der bib dort heraussuchen, was man will. so etwas wie computer gibt es dort nicht, geschweige denn stichwortsuche zwecks literatur für hausarbeit.
- mich 2 mal die Woche von meiner recht maskulinen und ziemlich muskulösen Kickboxtrainerin verprügeln lassen
- mit meiner neuen mitbewohnerin kate aus den USA durch die reserva ecologica spaziert und zum ersten mal wirklich an den rio de la plata. krass. sieht aus wie das meer, bloß in braun. mit strand und wellen und großen schiffen am horizont, die langsam dahinter verschwinden. und das ist ein FLUSS. nunja.
- salsa tanzen mit einem mann, der mir bis knapp über den bauchnabel gereicht hat aber göttlich führen konnte :)
- wirre gespräche mit meiner noch wirreren vermieterin mit dem ergebnis, dass ich in 2 wochen ausziehen muss und nun wieder auf wohnugssuche bin. meine vermieterin hat einfach einen knall. und ich leider keinen mietvertrag. und in ihrem wirren verstand hat sie sich überlegt, dass ich ausziehen muss, damit mein mitbewohner, der noch 2 monate in buenos aires bleibt, in mein zimmer ziehen kann, damit sie das zimmer von meinem mitbewohner vermieten kann für den preis, den sein zimmer eigentlich wert ist, nämlich 1200 pesos statt der 800, die sie ihm vor ein paar monaten als angebot gemacht hat, einfach so.

So. Ihr seht, langweilig wirds mir nicht und besonders die nächste zeit habe ich viel zu tun, wenn ich in 2 wochen eine neue wohnung gefunden haben will. und daneben meine hausarbeit schreiben. oder erstmal schauen, ob ich hier überhaupt irgendwie an literatur komme. und die dann auch noch verstehe. na und wenn nicht, was solls, dann hab ich dieses semester immerhin fleißig fotografie studiert und spanisch gelernt :)

So, dann mach ich mich mal wieder auf, Essen kochen und weiter Wohnungsanzeigen durchwühlen.

Der ein oder andere von euch hat es vielleicht in den Nachrichten gesehen, was hier in Buenos Aires gerade auf uns lastet.
Letzte Woche am Dienstag fing es an, dass ich dachte, es sei ja seltsam, so warm und blauer Himmel aber gleichzeitig total neblig. Habe mir aber nicht viel dabei gedacht und da ich immer noch eher die deutschen als die argentinischen Nachrichten verfolge, hab ich natürlich auch nicht mitbekommen, was eigentlich los ist.
Naja, bis Donnerstag zumindest.
Da bin ich morgens aufgewacht und habe gedacht, ich ersticke. Die Luft war voller beißendem Rauch. Mein Zimmer, die Küche, alles hat furchtbar gestunken und es war richtig unangenehm zu atmen. Habe das Fenster aufgerissen und den Ventilator angeworfen, es wurde ein klein wenig besser, aber der Wunsch, am liebsten die Luft anzuhalten, hat dennoch weiterhin bestanden.
Ich dachte ja erst noch, das sei noch ein Rest vom Grill, den wir am Mittwoch Abend angeworfen haben. Schien mir aber ein wenig viel Rauch für so einen kleinen Grill und durch Fernsehen und Mitbewohner habe ich dann auch so langsam mitbekommen, woher dieser Rauch kommt.
In den Provinzen um Buenos Aires sind riesige Feuer ausgebrochen. Angeblich ist es wohl normal, dass die Bauern hier im Herbst ihre Felder anzünden, damit der Boden wieder fruchtbar wird. Dieses Jahr ist jedoch das Feuer absolut außer Kontrolle geraten und wie ich einem Zeitungsartikel entnehmen konnte, weiß niemand so genau, wer nun eigentlich verantwortlich ist dafür. Geschweige denn, jemand würde sich verantwortlich erklären und versuchen, das Feuer zu löschen. Viel Gerede über Löschflugzeuge, aber Augenzeugen aus der Gegend meinen, nichts dergleichen gesehen zu haben. Na wunderbar.

So ein Glück, dass ich Donnerstag Abend aufgebrochen bin zum ersten Südamerika-Bayreuth-Treffen nach Puerto de Iguazú am Dreiländereck Paraguay-Argentinien-Brasilien. Naja, “Glück”. Der Rauch war natürlich genau in den Regionen am stärksten, durch die wir mit dem Bus fahren mussten. Was zur Folge hatte, dass die Straßen dort gesperrt wurden, da man besonders Nachts nicht weiter als 10 Meter sehen konnte und ich durch riesige Umwege anstatt nach 16 Stunden erst nach 26 Stunden am Ziel angekommen bin. Uff. Ganz schön ätzend, sag ich euch.
Dennoch, in Iguazú war die Luft rauchfrei und ich habe Basti und seine Studikollegen aus Sao Paulo getroffen. Wir waren in Paraguay in Ciudad del Este, einem furchtbaren Ort, der damit wirbt, dass man spottbillig viele sonst sehr teuer Dinge kaufen kann, was auch der Fall war, aber ich war nicht sicher, ob nicht 90 % der Produkte sowieso gefälscht waren. Habe mich auch nicht wirklich sicher gefühlt, da ein Freund aus Buenos Aires zu mir meinte, man könne an diesem Ort den Taschendieben bei der Arbeit zusehen. Ich war also mehr besorgt darum, dass mir meine Kamera nicht abhanden kommt, als mir irgendwelchen Schnickschnack zu kaufen.

Danach ging es weiter nach Brasilien zu einem der größten Staudämmen der Welt, dem Itaipu. Sehr beeindruckend, ganz besonders das Werbevideo, das uns zu Beginn gezeigt wurde… ein Meisterwerk sage ich euch. Also wenn DAS mal nicht überzeugt, wie unglaublich und toll und wundervoll dieser Staudamm ist!!
Naja, aber der eigentliche Grund meines Besuches in Iguazu waren ja die Wasserfälle, die es dort gibt, mit die größten der Welt. In diesem wunderschönen ruhigen Flußdelta tut sich an einer Stelle im Boden ein riiiesiger Abgrund auf, etwa 200 Meter tief, an dem etwa 270 Wasserfälle in die Tiefe stürzen.
Wir haben dies mit einer Bootstour sowohl von unten betrachtet (und sind sogar richtig reingefahren, undzwar so nah, dass man vor lauter spritzendem Wasser 1. nichts mehr sehen konnte und 2. klatschnass wurde) und haben uns hinter den “Schlund des Teufels” von oben angeschaut. WAHNSINN!! Es ist einfach unbeschreiblich und durch meine Fotos sowieso nicht einfangbar. Aber ich habe natürlich wieder jede Menge Bilder gemacht und die könnt ihr auch betrachten und zwar genau hier:

-> - Fotos -

Am Sonntag Abend ging es dann auch schon wieder zurück, damit ich pünktlich am Dienstag morgen zu meinem Fotokurs gehen konnte (hatte doch etwas Angst, dass der Bus wieder so lange braucht). Und oh Wunder, der Wind hat gedreht, die Stadt ist momentan rauchfrei und ich hoffe, dass das auch so bleibt. Leider sagen die Prognosen etwas anderes voraus. Aber vielleicht haben die ja das Feuer mittlerweile auch unter Kontrolle?

Gut, jeden Moment müsste Basti mit zwei Freundinnen hier eintrudeln, die beschlossen haben, mir noch ein paar Tage die Ehre ihrer Gesellschaft zu erweisen. So komme ich dann endlich auch einmal dazu, mir die Touristenattraktionen von Buenos Aires anzuschauen, die ich mir bisher noch erspart habe :-) Und dann gibt es vielleicht irgendwann auch mal Bilder von dieser wunderschönen Stadt, in der ich mich jetzt schon so sehr zu Hause fühle, dass ich einfach gar nicht mehr hier weg will…

8.04.2008

Patagonia

Also ihr Lieben, mich hat es doch nicht nach Uruguay getrieben sondern ich bin stattdessen runter in den Süden Argentiniens, nach Patagonien, genauer gesagt, Bariloche und San Martín de los Andes, 20 Stunden mit dem Bus von Buenos Aires entfernt.War eine super schöne Woche, habe viele tolle Leute kennengelernt, war raften und Fahrradfahren und wandern und habe ein Mapuchedorf besucht und einfach die Natur und die wunderschönen Ausblicke genossen.Bilder gibt es natürlich auch undzwar hier:

- Fotos -

Ich hoffe es geht euch allen gut, ich vermisse Bayreuth ein wenig, besonders jetzt wo ja das Sommersemester wieder losgeht ….Ach ja, und hinterlasst mir doch mal ein paar Kommentare!!

Ich muss jetzt direkt los, mein Fotokurs fängt gleich an.Bald schreib ich wieder mehr.

PS: Ach ja, nur um mal wieder zu zeigen, was die Welt doch für ein Dorf ist. Ich hab in San Martín de los Andes doch tatsächlich jemanden getroffen, den ich letztes Jahr in Pucón in Chile kennengelernt hab. Einfach unglaublich und unglaublich cool :)

31.03.2008

Bilder

Nur kurz ein paar Fotos vom Ausflug nach Mar del Plata. Hab es endlich geschafft, mal welche hochzuladen.

- Fotos -

28.03.2008

Jubiläum!!

Wow. Ich bin echt schon über einen Monat hier. Wie schnell die Zeit vergeht. Was für ein Glück, dass ich immer noch ein ganzes Jahr hab :-)

Es ist schon wieder so viel passiert. Am Mittwoch hat Ruben mir vorgeschlagen, dass wir doch über Ostern alle nach Mar del Plata ans Meer fahren könnten. Sein Freund habe da ein Haus und wir könnten da schlafen.
Gesagt, getan. Sind also am Donnerstag Abend zu viert im Auto von Hernan aufgebrochen ins 400 km entfernte, beliebte Strandstädtchen Mar del Plata. Besonders über Ostern heißt das normalerweise: Such dir ein freies Loch auf dem Strand und quetsch dich zwischen die Porteños (so heißen die Argentinier, die aus Buenos Aires kommen).
Nicht so bei uns. Wir haben einen superschönen Strand gefunden, mit einer coolen Bar und ein paar sehr bequemen Strandliegen. Und tollem Wetter. Viel Sonne. Hab mich sogar in die Wellen gestürzt, wenn auch sie mir einen ganz schönen Respekt eingeflößt haben.
Und es ist sogar ein Ostergrußvideo entstanden, das ihr hier bestaunen könnt:

http://www.youtube.com/watch?v=5jahcA4-RXI

Mein verzweifelter Versuch, wieder Deutsch zu sprechen. Was für ein unglaublich eigenartiges Gefühl. Mir ist einfach nichts eingefallen.
Aber dafür hat Hernan sich ins Zeug gelegt und ein paar deutsche Sätze gelernt. Um die Mädels in meiner Heimat zu beeinrucken. Fühlt euch eingeladen vorbeizukommen, ich bin sicher, er hat ein Plätzchen für euch in seiner Wohnung. *grins*

http://www.youtube.com/watch?v=EU7MZay15Vg

Wir haben vier wirklich schöne Tage verbracht, sind Montag Abend spät und traurig zurück gekehrt. Und natürlich bin ich am Dienstag erstmal krank geworden.

Nun gut, das ist zum Glück jetzt überstanden und ich habe heute mal angefangen, meine ganzen Projektideen umzusetzen.
Habe mich nun entschieden, dass mein Philosophiestudium hier wohl eher nebenher laufen wird. Ich werd wohl doch nur einen Kurs belegen, undzwar spezielle Probleme der Ethik. Damit bin ich genug gefordert, da ich dort eine Hausarbeit schreiben muss. Aber meine Tutorin hat mir heute eröffnet, dass ich die sogar auf Deutsch schreiben kann, da der Prof Deutsch spricht. Hach :) So ein Zufall. Ich werds aber mal auf Spanisch probieren. Dafür bin ich schließlich hier.
Das Fach ist dazu so angelegt, dass ich, sollte ich in der Hausarbeit mit mindestens 7 (Skala von 1-10) abschneiden, nicht in die letzte mündliche Prüfung muss. Werde mich also mal ein wenig anstrengen denke ich. Kommt mir ja auch zugute, wenn ich das als 6-Punkte-Schein anrechnen lassen will und Bayreuth.

So. Aber es gibt noch ein paar Dinge, die mir neben meinem Philostudium meine Zeit vertreiben werden.
Habe mich heute eingeschrieben in das erste Semester eines eigentlich zweijährigen Studiums “Professionelle Fotografie” in einer Foto- und Designschule. Der Spaß kostet mich für 4 Stunden wöchentlich grade mal 35 Euro im Monat. Und ich kann problemlos auch nur das erste Semester mitstudieren. Und vielleicht gefällt es mir ja und ich hänge noch ein zweites dran. Bin auf jeden Fall ganz euphorisch und kann es kaum erwarten, dass es losgeht. So etwas wollte ich schon immer mal machen.

Und gerade spiele ich mit dem Gedanken, am Samstag ein wenig auf Reisen zu gehen. Nach Uruguay oder in die Umgebung von Buenos Aires. Habe Lust, ein wenig rauszukommen, das Land neben Buenos Aires zu entdecken. Neue Leute kennenzulernen. Meine Kamera auszuprobieren. Irgendwelche Abenteuer zu erleben. Mal sehen.

Jetzt muss ich mich erstmal fertig machen, da ich mich gleich mit meiner Mitbewohnerin und ihren Freundinnen ins Nachtleben stürzen werde. Endlich mal gehe ich mit Mädels raus. Es ist ganz schön anstrengend, die ganze Zeit nur von Männern umgeben zu sein (sprich Ruben und seinen ganzen Freunden). Ich will endlich mal wieder in einer Bar oder Disco sein und so richtig schön tratschen können :-) Wir gehen vielleicht eine Tango Show anschauen oder irgendwo tanzen. Mal sehen. Buenos Aires hat einfach so viel zu bieten.

Ach ja: Es gibt ein paar Bilder von meiner Uni im letzten Album. Habe heute mal meine Kamera mitgenommen aber leider waren nach ein paar Fotos die Akkus leer. Trotzdem könnt ihr euch einen kleinen Eindruck machen, wieso ich so begeistert bin von diesem Chaos :-)

18.03.2008

Unibeginn

Es ist Dienstag, der zweite Tag Uni und ich bekomme Panik. Vielleicht war das doch keine so gute Idee, an der UBA studieren zu wollen?

Aber mal von vorne.
Am Sonntag bin ich umgezogen, in dieses süße Haus, das mir von Tag zu Tag besser gefällt. Meine Mitbewohner sind super, vor allem die Ungarin hat sich als super nett herausgestellt und wir haben bei einer Flasche Bier (die es hier nur im 1-Liter-Format gibt) 3 Stunden gequatscht. Schön.

Am Montag morgen bin ich früh zur Uni, hab erfreulicherweise problemlos den Raum gefunden und war sogar pünktlich.Aber das war auch schon alles positive. Der Raum war wirklich klein und schäbig, es war ja auch ein Seminar mit ungefähr 30 Leute. Der Professor schien nett und ich habe so einigermaßen verstanden, was er am Anfang organisatorisches erzählt hat. Dennoch: Es ist absolut unmöglich, da irgendetwas zu verstehen, wenn der Prof ohne Mikrophon redet (so etwas gibt es hier nicht), durch die geöffneten Fenster der Straßenlärm hineindrängt und durch die offene Tür der Lärm vom Flur. Dazu dauert eine Einheit Vorlesung 2 Stunden, in den Fächern Metaphysik und Spezielle Probleme der Ethik habe ich davon 2 direkt hintereinander (mit 15 Minuten Pause dazwischen). Und da war das mit dem Nicht-Verstehen noch um einiges schlimmer, da die Räume größer und überfüllter waren, der Prof trotzdem ohne Mikro redete und ich mich trotz größter Anstrengung absolut geschlagen geben musste. 
Ich weiß nun nicht so genau, wie ich das schaffen soll. Bin jedes Mal nach 1 1/2 Stunden “so tun als ob ich was verstehen würde” und “interessiert schauen” gegangen. Was für ein Glück, dass es keine Anwesenheitspflicht gibt und man Skripte kaufen kann. Ich hoffe aber mal, dass die praktischen Kurse, wo Anwesenheitspflicht herrscht, irgendwie einfacher zu verstehen sind. Sonst ist das echt mein Untergang. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass ich eine realistische Chance habe, hier ein Fach zu bestehen. Zumal die beiden Teilprüfungen zwischendurch (erste im Mai) aus einer schriftlichen Hausarbeit bestehen. Weiß nicht, ob ich wirklich schon auf gehobenem spanisch philosophieren kann bis dahin.  Aber wir werden es sehen.

Ich habe dafür angefangen, mir weitere Projekte zu suchen. Es gibt in dieser Stadt einfach alles und so bald wie möglich werde ich zumindest einen Kurs über Fotografie und einen über Photoshop belegen, damit ich mit meiner tollen neuen Kamera auch möglichst tolle Bilder machen kann, die ihr dann bewundern dürft (ach ja, es gibt bereits ein paar von dem Haus, wo ich jetzt wohne).

Im Moment klappere ich dazu die ganzen Fitnessstudios der Gegend ab und suche nach Kickboxen. Scheint es aber nicht zu geben. Dafür Aikido, Kung-Fu, Taekwondo und solchen Kram. Weiß nicht so genau, ob ich meinem Lieblingssport fremdgehen soll …. ich werd erstmal weitersuchen.

Gestern habe ich mir dann auch ein Fahrrad gekauft, mit dem ich in knapp 15 Minuten bei der Uni bin. Super Sache, sag ich auch, aber jedes Mal ist ein echtes Abenteuer.
Ich zitiere euch mal einen Ausschnitt aus der NZZ über die Verkehrsordnung in Buenos Aires:

“Auf Argentiniens Pflaster ist die Hackordnung klar und transparent, viel leichter zu kapieren als die Strassenverkehrsordnung: Vortritt hat immer der Bus. Unter Nicht-Bussen geht es nach Grösse des Gefährts und Frechheit des Fahrers. Hat man das einmal begriffen, fährt es sich hier ganz entspannt. Es mag merkwürdig klingen: Wer sich gegen diese darwinistische Ordnung sträubt, wird zum Risiko. Was man NIE tun darf, ausser man ist das einzige Auto weit und breit oder ausser man kann die ganze Strasse blockieren: das Vortrittsrecht einer Fussgängerin oder eines Fussgängers an einem Zebrastreifen achten. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gross, dass von hinten einer oder eine vorbeirast; es könnte ein Grossvater sein mit seinem nicht angegurteten Grosskind auf dem Beifahrersitz.”

Und genau das habe ich am eigenen Leib erfahren. Oh Mann. Ich bin wirkliches jedes Mal froh, wenn ich heile am Ziel ankomme. Hier wird einfach keine Rücksicht genommen, gehupt und laut geflucht, die Autos (und vor allem die Busse, die besonders auf dem Fahrrad einen Heidenrespekt einflößen) dröhnen an mir mit maximal 15 cm Abstand vorbei, dazu muss ich riesigen Schlaglöchern ausweichen, mich der Angst stellen, in Einbahnstraßen in die entgegengesetzte Richtung zu fahren mit Autos, die mir auf einer einspurigen Straße dreispurig entgegengerast kommen (oh Gott, mir wurde gesagt, das machen alle Radfahrer, was Sinn macht, da alle Straßen hier Einbahnstraßen sind außer die ganz großen Avenidas und man sich sonst leicht verfährt - aber ich versuche es echt zu vermeiden). Auf dem Bürgersteig fahren geht auch nicht, da die voller Leute sind und sowas wie Fahrradwege existiert wahrscheinlich noch nichtmals im argentinischen Vokabular.
Ihr dürft also für mich beten, dass ich das Jahr auf dem Rad heile überstehe!! Ich hätte nie gedacht, dass ich so froh sein kann, zu Hause anzukommen ;-)

So viel für heute, ich werd mir mal was zu essen kaufen, hab mir ein leckeres Steak gekauft (ich bezeichne es mal als solches, aber die Argentinier würden mich wahrscheinlich auslachen. Für Kenner unter euch, es ist “Lomo”, das angeblich beste Fleisch.), das ich mir nun braten werde :)

14.03.2008

Liebes Tagebuch :-)

Ich habe endlich eine Wohnung gefunden. Juhu!! Undzwar werde ich am Sonntag umziehen in ein schönes Haus, mit Patio voller Pflanzen (so voll, dass man sich fast wie in einem Dschungel vorkommt ;)), recht verwinkelt gebaut und süß renoviert, in eine 5er-Wg mit 3 Spaniern (2m, 1w) und einer Ungarin. Ich hätte zwar eigentlich lieber mit Argentiniern zusammen gelebt, aber immerhin ist die Sprache im Haus Spanisch und dann ist das schon okay :) Außerdem scheinen die alle echt nett zu sein und die Miete von 900 Pesos (= 182 Euro, Tendenz fallend, der Euro ist seit meiner Ankunft von 4,6 auf 5 Pesos gestiegen - oder der Peso gefallen, keine Ahnung) ist sogar akzeptabel. Mein Zimmer ist dafür relativ spartanisch und klein, aber mit Fenster zum Patio und eigentlich ausreichend möbliert. Und ich kann es ja noch ein wenig dekorieren….  

Nachdem ich mich durch Immatrikulation und Wohnungsmarkt gekämpft hab, steht nun mein Visum an. Ich hab noch genau 24 Tage Zeit, das zu bekommen, da dann ein Dokument von der Uni verfällt, das ich brauche. Okay, ich kann es mir bestimmt nochmal ausstellen lassen - aber ich wette, das wird nur wieder teuer.  Nachdem ich mich ja in Deutschland schon durch die Behörden gekämpft hab, um mein internationales Führungszeugnis und meine internationale Geburtsurkunde mit Apostille zu bekommen, muss ich damit hier nochmal von vorne anfangen und beides erst übersetzen und dann woanders nochmal beglaubigen lassen. Außerdem muss ich zur Polizei, um mir noch ein argentinisches Führungszeugnis ausstellen zu lassen und mir von der Uni noch eine Immatrikulationsbescheinigung holen (besagtes Dokument, das ab Ausstellung 30 Tage gültig ist). Das klingt alles gar nicht so viel - aber da alles immer irgendwo anders ist, bin ich pro Schritt en halben Tag unterwegs, da die Fahrtzeit selten unter einer Stunde liegt, um hier in Bs As von einem Ort zum anderen zu kommen.  

Wenn es eine Sache gibt, die ich in meinem Jahr in Buenos Aires lernen werde, dann ist es Geduld. Das fällt besonders im Supermarkt auf. Ich weiß echt nicht, wieso die Leute hier nicht regelmäßig ausrasten, wenn sie Schlange stehen. Man kommt einfach NIE unter 20 Minuten Wartezeit raus. Und das auch, wenn vor einem nur ein oder zwei Leute an der Kasse stehen. Da stelle ich mich schon vorausschauen an die “schnelle Kasse” für Kunden mit maximal 15 Artikeln, aber die Kassierer haben alle Zeit der Welt, wechseln die Kassenzettelrollen, oder versuchen es, bekommen es nicht, hin, rufen Kollegen zur Hilfe, die wiederum andere Leute holen, damit die sich damit befassen.  Oder aber sie haben kein Wechselgeld. Und dann werden erstmal die anderen abkassiert, um zu schauen, ob die vielleicht mit Kleingeld zahlen. Eher selten der Fall. Irgendwann sieht der Kassierer ein, dass er sich um Kleingeld bemühen muss, ruft halbherzig seine Kollegin, die angeschlurft kommt, erfährt, was los ist, und in aller Geduld zurück schlurft, um ihren Schlüssel zu holen, um wieder irgendwoanders Kleingeld herzuholen. Natürlich nicht genug und nicht das, was gerade fehlt.  Am schlimmsten ist es ja, wenn ich dann feststelle, dass ich vergessen habe, das Obst zu wiegen. Dann darf ich nämlich zurück und wieder von vorne anstehen ….  

Dora und Ricardo (die Eltern) haben mir letztens von ihrer Unizeit unter der Militärherrschaft zwischen 1976 und 1982 erzählt. Es ist schon unvorstellbar, was sie so erzählt haben. Zu der Zeit war die Tatsache, dass man Student war, schon ein Grund, höchstes Misstrauen zu erregen. Die Polizei hat einen dann sofort nach seinem Ausweis gefragt, man musste ständig aufpassen, durfte nicht in Gruppen durch die Stadt laufen und hat in der ständigen Angst gelebt, aufzufallen, erstmal verhaftet zu werden und ausgefragt zu werden. Damals war allein die Tatsache, als Mann lange Haare zu haben schon ein Grund, ihn zu verdächtigen.Die Vorlesungen in der Uni sind dauernd ausgefallen, da die Polizei regelmäßig das Gebäude gestürmt hat, alles mit Tränengas vollgesprüht hat und in dem Chaos versucht hat, die aufsässigen Studenten (meist Mitglieder der sog. Montonera, Studenten, die gegen die Militärherrschaft gekämpft haben und wenn sie gefasst wurden, meist spurlos verschwunden sind) zu fassen. Gegenüber von der Fakultät der Economia in der Innenstadt, wo Dora und Ricardo beide studiert haben, befindet sich die medizinische Fakultät. Dahinter in einem Gebäude werden alle Leichen verwahrt, die auf ungeklärte oder irgendwie tragische Weise gestorben sind. Von der Economia gibt es eine unterirdische Verbindung zu diesem Gebäude und wenn die Polizei die Uni gestürmt hat, war das eine der Möglichkeiten, zu entkommen. Die Studenten sind also entweder aus den Fenstern geklettert und gerannt, was das Zeug hält, oder haben sich in dem Leichengebäude versteckt, bis die Durchsuchung vorbei war. Dora meinte, es sei eine Zeit gewesen, die ständig von Angst geprägt war. Man hat sich nirgendwo sicher gefühlt und konnte nie sicher gehen, nicht verdächtigt zu werden. In einem Buch habe ich auch mal gelesen, dass selbst Leute verhaftet wurden, die für niedrigere Buspreise demonstriert haben, damit auch die ärmere Bevölkerung sich das leisten konnte. Jegliche Kritik am System war einfach verboten. Es ist wirklich spannend, solche Geschichten von Zeitzeugen zu hören. Ich hoffe, ich bekomme noch mehr Berichte über diese Zeit zusammen.

Soviel erstmal für heute. Wir gehen gleich ins Kino (ich muss mich noch durchsetzen, dass wir nicht in “10.000 A.C.” gehen, aber ich habe Sorge, von den Männern überstimmt zu werden) und danach vielleicht noch irgendwo ein Bierchen trinken. Hab ich schon erwähnt, dass ich mich durchgerungen hab, das mal zu probieren (wo ich ja eigentlich kein Bierfan bin) und mit meinem fachmännischen Wissen festgestellt hab, dass das ganz schön wässrig schmeckt hier? :-)

6.03.2008

Chaos!!

Puh. Heute ist mein freier Tag. Endlich mal wieder Zeit, euch was zu erzählen. Habe die letzten Tage damit verbracht, Wohnungen anzuschauen und mich durch die Bürokratie meiner Uni zu kämpfen. Wow, was für ein Chaos!!Die Wohnungen, die ich mir bisher angeschaut hab (bisher warens erst 6 oder 7) waren alle wirklich besser, als ich erwartet hab. Trotzdem nichts gescheites dabei. Sobald die Argentinier mitbekommen, dass ich aus dem reichen Europa komme, sind die Preise auf einmal nicht mehr in USDollar sondern in Euro. Oder einfach unverschämt teuer. Sobald eine Wohnung in Dollar angeboten wird, weiß ich eigentlich, dass sie überteuert ist. Aber trotzdem schau ich sie mir an, weil WGs sowieso nur für Ausländer existieren. Die Leute aus Buenos Aires wohnen meistens noch zu Hause (bis 30 ist das völlig normal!!) und die, die alleine wohnen, bieten dann ein Zimmer in ihrer Wohnung an, aus dessen Miete sie im Prinzip die ganze Wohnung zahlen können. Trotzdem ist das für mich alles eigentlich recht bezahlbar. Wenn man bedenkt, dass die teuersten Wohnungen für ein Zimmer 400 Dollar wollen (was 260 € entspricht), ist das schon bezahlbar. Bloß habe ich keine Lust, mich so ausnehmen zu lassen, wenn ich weiß, dass ich deren Miete mitbezahle. Naja, zum Glück kann ich in Ruhe suchen. Dora (Rubens Mutter, die immer noch sooo begeistert ist, die ersehnte Tochter im Haus zu haben), hat heute schon überlegt, mir ein Zimmer im Keller freizuräumen. Leider sind die winzig und ohne Fenster und die wohnen sowieso viiiiel zu weit weg von meiner Uni. Schade ;) Ich wär glatt hier geblieben!! Am Montag war die Einfühungsveranstaltung für Austauschstudenten an der Uni. Mein Gott, wie kann eine Fakultät so weit außerhalb liegen? Bayreuth ist Luxus!!! Ich bin von hier zu Hause bis dahin etwa 1 1/2 stunden unterwegs mit Bus und Subte (Metro). Das liegt unter anderem daran, dass das Subte-Netz hier absolut dämlich ist. Ich fahre im Prinzip in einer V-Form. Erst den langen Weg runter ins Zentrum, dann wieder hoch. Gäbe es zwischen beiden Enden eine Verbindung, wäre ich vielleicht ne halbe Stunde unterwegs. Aber nein …. das wäre ja viel zu einfach :) Und mit dem Bus ist es auch nicht wirklich besser. Habe das gestern mal versucht und war (mit Haltestelle suchen) 2 Stunden unterwegs ^^ Tja, ich werde in einem Jahr in Bayreuth wahrscheinlich überhaupt nicht mehr damit klarkommen, mit dem Rad 4 Minuten unterwegs zu sein ;) Wie auch immer. In der Einführungsveranstaltung wurde alles wichtige erklärt. Natürlich auf Spanisch. Welch Wunder, dass ich alles verstanden hab :)Das System funktioniert hier folgendermaßen: Jeder darf pro Semester 4 Fächer wählen, undzwar entweder Vorlesung (die pro Woche 6-stündig ist, davon 4 Theorie (also Vorlesung) und 2 in kleineren Arbeitsgruppen) oder Seminar (4-stündig pro Woche, denke ähnlich wie bei uns). Pro Vorlesung hab ich insgesamt 3 Prüfungen, die erste im Mai, davon sind 2 schriftlich während des Semesters und eine mündlich am Ende. Im Seminar muss ich zum bestehen eine Hausarbeit abliefern am Ende, wobei die argentinischen Studenten zum einreichen der Hausarbeit 3 Jahre Zeit haben :D Sowieso gibt es hier keine Beschränkung der Studienzeit. Man kann immer mal wieder ein Semester lang ein Fach belegen, es ist völlig normal mit Mitte 30 noch zu studieren. Das liegt daran, dass die meisten tagsüber arbeiten müssen. Die Vorlesungen liegen sowieso entweder morgens oder abends.Gestern bin ich dann nochmal hin und habe mich eingeschrieben. Die Uni bzw. die Fakultät von Philosophie und Literatur ist ein großes altes Gebäude, ziemlich heruntergekommen und hässlich. Aber ich bin ganz hin und weg, weil gerade dieses Gebäude vor politisch aktiven Studenten nur so wimmelt. Alle Wände sind vollgeschmiert mit politischen Parolen o.ä., es hängen Banner aus und an jeder Ecke werde Flyer verteilt mit Aufrufen zu Protesten und Demos oder Forderungen nach besseren Studienbedingungen. Die Leute, die dort rumlaufen sehen auch alle eher alternativ aus und überall wird hitzig diskutiert. Die Hörsäle sind ein absoluter Witz. In den größten passen vielleicht 150 Leute rein, alle auf irgendwelchen alten, braunen Plastikstühlen. Der Rest wahrscheinlich auf dem Boden. Vorne gibt es eine ziiiiemlich alte Tafel. Die anderen Hörsäle fassen vielleicht 80 Leute und sehen genauso aus. Und wirklich viele gibt es sowieso nicht. Schon bei der Einführungsveranstaltung hab ich festgestellt, dass ich mich auf jeden Fall möglichst weit nach vorne setzen sollte. Denn sowas wie Mikrophone gibt es sowieso nicht und da die Fenster mehr oder weniger heile sind, dröhnt von draußen die ganze Zeit der Lärm der Autos hinein, die über kaputte Straßen mit Schlaglöchern und Pflastersteinen fahren.Als ich mich nun denn einschreiben wollte, musste ich mich erstmal durch das Chaos durchkämpfen. Die ganze Uni war voller Studenten, die an Tischen standen und die Stundenpläne und das Kursangebot aller Studiengänge bereithielten. Bis ich erstmal das für mich relevante Material gefunden hab, ist einige Zeit vergangen.  Habe mich damit zurückgezogen und festgestellt, dass so ziemlich alle interessanten Kurse irgendwie zur gleichen Zeit stattfinden. Musste dann wieder alles umwerfen und zur Fachschaft laufen, um mir über die Kurse in der engeren Wahl die Inhaltsbeschreibungen zu kaufen. Hab mich dann entschieden für: Metaphysik und Spezielle Probleme der Ethik als Vorlesung und ein Seminar über Heidegger. Sollte Metaphysik zu schwer sein, kann ich noch ausweichen auf ein Seminar über Moralphilosophie. Bin ganz zufrieden, auch wenn ich nicht weiß, ob mir das anerkannt werden kann. Naja, zur Not halt P9 ;-) Normalerweise müssen die Studenten die Kursnummern auf einem bestimmten Blatt eintragen und das in einem bestimmten Büro abgeben. Ihr könnt euch vorstellen, dass vor dem Büro eine riiiiiiiiiiiesen Schlange war. Was für ein Glück, dass Ausländer privilegiert sind und in ein anderes Büro durften, wo tatsächlich niemand anstand :) Naja, dafür zahle ich ja auch 400 Dollar Studiengebühren (im Gegensatz zu den Argentiniern). Die hätte ich allerdings vor 15 Uhr nachmittags zahlen müssen, jedoch nach der Einschreibung (die ab 14.30 möglich war). Natürlich war ich um 15.15 fertig mit entscheiden. Nun darf ich also demnächst nochmal hin, um zu zahlen.  Aber gut. Insgesamt war ich wohl 3 Stunden dort, um mich durch das Chaos zu kämpfen. Bin wirklich froh und erleichtert, dass alles geklappt hat. Jetzt fehlt nur noch das Visum und dann kann am 17. März die Vorlesungszeit beginnen :) Bin ja mal gespannt!! 

Gestern Abend hatte ich das Vergnügen, einen einmaligen Einblick in argentinische Tradition zu bekommen. Wenn jemand mit der Uni fertig wird, treffen sich alle Freunde, um das entsprechend zu feiern. Aber vorher wird der arme mit ausgewählten Köstlichkeiten (Mayonaise, Ketchup, Milch, Sahne, Yerba Mate, Essig, Öl, Eier ……..) “verwöhnt”. Seht selbst :-)

http://www.youtube.com/watch?v=E6-cQQcIoQM

Das hab ich gefilmt, das sind alles Ruben und seine Freunde. Gibt auch noch ein paar Fotos online.

28.02.2008

Die ersten Tage

Mittlerweile bin ich 5 Tage hier und hab mich ziemlich gut eingewöhnt. Der Karneval am Sonntag war total lustig und cool. Nicht so lahm wie bei uns in Bayreuth ;) Es war nur der letzte Tag und daher recht klein, aber vom Prinzip her wohl so, wie sonst auch. Eine Straße wurde gesperrt und war voller Menschen und es sind nacheinander unterschiedliche Gruppen von Tänzern gekommen, die ziemlich coole Trommelmusik gemacht haben und dazu total ausgeflippt getanzt haben. Dazu gab es an jeder Ecke Sprühflaschen mit Schaum drin zu kaufen, womit sich hauptsächlich die kleinen Kinder vollgesprüht haben, was hier an Karneval so üblich ist. Wir haben also auch welche gekauft und uns eine Schaumschlacht geliefert und waren am Ende von oben bis unten nass und voller Schaum (siehe bei meinen Fotos), hatten riesen Spaß dabei und sind danach noch Pizza essen gegangen. Um 12 bin ich völlig erschlagen von der Reise und dem ersten Tag ins Bett gefallen.Was mir am Anfang als “alle sind total bemüht” aufgefallen ist, hat sich hier als völlig normal herausgestellt. Die sind nicht bemüht, die sind einfach so nett!! Ich muss sagen, die Deutschen könnten sich durchaus was von den Argentiniern abgucken, denn die Männer hier sind wahre Gentleman ;) Mir wird immer völlig selbstverstänlich die Tür aufgehalten und der Vortritt gelassen, beim Essen füllen sie mir das Glas auf, wenn es leer ist oder Ruben hat auch darauf bestanden, dass ich in seinem Bett schlafe und er auf der Matratze auf dem Boden :) Es sind viele Kleinigkeiten, die das Gesamtbild der Leute hier wirklich sehr positiv werden lässt.Auch sonst hab ich schon ein paar Unterschiede zu Deutschland bemerkt. Es gibt bei jedem Hallo und Tschüss ein Küsschen auf die Wange (auch, wenn man anderen Leuten vorgestellt wird), die Leute fassen sich viel mehr an und sind einfach herzlich zueinander. An das Essen muss ich mich ein wenig gewöhnen, denn es gibt jeden Tag Fleisch und alles ist fettig oder enthält viel Zucker. Dazu ist das angebliche Vollkornbrot, das die extra für mich gekauft haben, so Vollkorn wie unser Toastbrot. Ich als Ex-Vegetarier, die zu Hause neben Schokolade ;) fast nur gesunde Sachen isst, finde das ganz schön anstrengend, aber Gott sei Dank hat die Mama Einsicht und mir viel Obst und Salat gekauft :) Eine andere Nationalspeise ist das dulce de leche, das so wie bei uns Nutella gehandhabt wird und aus karamelisierter Milch mit Zucker besteht. Ist mir viel zu süß, aber die tun das in fast alle süßen Gebäcke rein…Wo ich mich mehr mit anfreunden kann ist Mate. Die Mama von Ruben (die sich übrigens total freut, eeeendlich die langersehnte Tochter im Haus zu haben und begeistert davon ist, wie ordentlich ich bin (höhö)  und wie gesund ich mich ernähre ;)) bietet mir das jeden Tag an und wir sitzen dann am Pool und unterhalten uns. Mate ist - wie die meisten von euch wahrscheinlich schon wissen - irgendwelche mir unbekannten Teeblätter zerkleinert in einem Behälter, der normalerweise irgendeine ausgehölte kleine getrocknete Kürbisfrucht ist (gibt aber Variationen) und bis oben hin aufgefüllt wird mit den Kräutern. Dazu gibt man ein wenig heißes Wasser, sodass so eine gut getränkte Pampe entseht, woraus dann aus einer Art Strohhalm mit Sieb unten getrunken wird.  Jeder trinkt aus demselben Behälter, bis er leer ist, was normalerweise nur ein paar Schlücke sind, dann wird neu mit Wasser aufgefüllt und an den nächsten weitergreicht. Schmeckt ziemlich bitter, aber ich schlage mich tapfer ;) Ab und zu gönne ich mir dann aber doch ein wenig Zucker dazu…. Aber das trinkt hier einfach jeder undzwar jeden Tag, so wie bei uns Kaffee oder schlimmer. Wobei die Leute in Uruguay wohl noch besessener sind, die laufen dann mit der Thermoskanne unter dem Arm durch die Gegend, das Mategefäß in der Hand als wären sie damit verwachsen.Mein Spanisch wird auch jeden Tag besser, wobei ich nun doch festgestellt hab, dass es durchaus auch Leute gibt, bei denen ich einfach kein Wort verstehe, wenn sie mit mir reden. Daniel, Rubens Bruder, ist einer von diesen Leuten.  Der Arme muss schon völlig genervt sein, weil ich ihn dauernd bitte, seine Sätze nochmal zu wiederholen. Ab morgen fange ich an, mir Wohnungen anzuschauen. Ich hab dank Laura eine ziemlich gute Seite im Internet gefunden, wo es jede Menge Anzeigen gibt und es scheint gar nicht so schwer zu sein, hier eine WG zu finden. Mal sehen.Mein anderer Bekannter, der mir auch helfen will, hört sich nun auch mal um (mit dem hab ich mich gestern getroffen) und dann werd ich sicher bald was finden. Ich hoffe bloß, nicht zu bald, denn am liebsten würde ich hier bei Rubens Familie bleiben ;) Heute hat das Wetter von sonnig und heiß in strömenden Regen gewechselt. So strömend, dass halb Buenos Aires überflutet ist und ich das Haus nicht verlassen darf. Unsere Straße ist nicht so schlimm überflutet wie einige Straßen in der Stadt, aber Dora meinte, ich solle noch warten, bis es besser wird. Also sitze ich hier und werde wahrscheinlich für Ruben gleich Nussecken backen, da er am Samstag Geburtstag hat.Ich hoffe es geht euch allen gut, ich warte gespannt auf eure News aus Deutschland!! 

Ich hab ein paar Bilder vom Haus hochgeladen. Hier könnt ihr sie begutachten: Fotos

Viel Spaß damit!!

Nun ist es also so weit. Nach 24 Stunden langer Reise (davon 16 Flug!!) bin ich total nervös in Buenos Aires gelandet. Den ersten Schock hatte ich bereits am Check-In in Düsseldorf, als der Typ meinte, er könne mich nicht einchecken, weil ich nur ein One-Way-Ticket hatte und kein Visum und nichts, was mich berechtigen würde, trotzdem einzureisen. Das hat sich dann zum Glück doch alles geklärt, genauso wie mein Übergepäck (ab 32 kg nehmen die das nicht mehr mit, mein Koffer wog 31,9 kg und weil der Typ so nett war, musste ich noch nicht mals was dafür bezahlen :-)).In Buenos Aires am Flughafen angekommen, hab ich direkt ein anderes deutsches Mädel kennengelernt, die nun auch ein Semester hier studiert und mit der ich mir ein Taxi in die Stadt geteilt hab. So hab ich statt 100 Pesos nur 50 gezahlt, was etwa 12 Euro entspricht und für eine Strecke von 40 Minuten recht akzeptabel ist.Ja, und dann habe ich unglaublich nervös im McDonalds am Obelisken in der Innenstadt auf Ruben gewartet, bei dem ich die ersten Tage wohnen wollte. Alle Romantik der neuen Welt, die ich mir im Vorfeld ausgemalt hatte, schien weg. Ich war einfach erschlagen von den ganzen Eindrücken, war total verunsichert, hatte Angst, dass ich ihn nicht verstehe oder wir überhaupt nicht miteinander klarkommen. Aber das war alles völlig unbegründet :-) Er ist total nett und bemüht, hat meinen Koffer die Treppe hochgeschleppt und so getan, als würde er nichts wiegen und seine ganze Familie hat mich aufs herzlichste in meinem neuen Zuhause Willkommen geheißen. Dazu gehören sein 21-jähriger Bruder mitsamt Freundin, seine beiden Eltern und der total süße Hund Sasha. Und dann gab es auch direkt erstmal in typisch argentinischer Art ein Asado, sprich alles, was ein Tier so hergibt, auf den Grill und ich hab mein erstes Mittagessen, das NUR aus Fleisch bestand, gegessen. War unterschiedlich lecker, dazwischen waren wirklich undefinierbar komische Dinge ;) Aber alles in allem war es einfach toll. Alle haben sich bemüht, mich mit Fragen gelöchert und ich fühl mich nach diesen paar Stunden schon total wohl und wie zu Hause.Jetzt ist es 10 nach 8 Ortszeit, die Zeitverschiebung beträgt nur 3 Stunden zurück, ich bin unglaublich müde, aber in einer Stunde gehen wir noch einmal mit Freunden von Ruben los und schauen uns den letzten Abend Karneval an. Ich bin gespannt. Es ist immer noch schön warm und hell und ich hab das Gefühl, den Frühling und Sommer irgendwie verschlafen zu haben, es ist so komisch, vom Winter einfach so in den Sommer zu wechseln… Ihr seht, es geht mir großartig und alle Sorgen waren unbegründet :)Ich melde mich bald wieder mit neuen großen Abenteuern!! PS: Ich hätte niiie gedacht, dass ich die so leicht verstehe. Ich hab kaum Probleme mit der Sprache, zumindest wenn die das Wort direkt an mich richten, versteh ich sie echt gut. Nur wenn dann untereinander diskutiert wird, wirds schwierig…. PPS: Das Haus ist übrigens echt auch total schön und groß und hat einen Pool auf der Terrasse, den ich glaube ich morgen erstmal ausprobieren werde. Werde dann an euch denken, wenn ihr in der Bib sitzt und Makro lernt :) 

Wie ihr seht, seht ihr noch nichts. Das wird sich aber bald ändern, denn ab in 2 Wochen wird die Seite vor beiträgen über erlebtes am anderen ende der welt nur so strotzen ;) also seid gespannt!!

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